agoRadio #51 – Noisexistance II

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Zweistündige Dokumentation des zweiten Noisexistance-Festivals, das Anfang März in Hamburg stattgefunden hat. Mit Vorträgen von Steve Goodman und Nina Power. Musik und Material von Best Friend Machine, Black To Comm, Peter Brötzmann, Club Moral, Calhau!, Dirty Electronics, Erotic Nights, Ex-Kopf, Helm, René Huthwelker & Louise Vind Nielsen. Die AgoRadio-Sendung zum ersten Festival von 2016 findet sich hier.

 

Noisexistance – 02.-04.03. 2018

event

noisexistance

NOISEXISTANCE
INTERNATIONALES FESTIVAL ZU AUFRUHR UND LÄRM

02. BIS 04. MÄRZ 2018 HFBK & Kampnagel Hamburg

 

Noise treibt sein Unwesen in der Nachrichtentechnik, in der Kybernetik, in den Sozialwissenschaften und in der Musiktheorie. Noise kann ein ungewolltes Geräusch, einen störenden Rest, ein Rauschen oder einen Überschuss von Lärm bezeichnen. Seit den 1980ern hat sich an den Rändern der Popkultur ein experimentelles Genre entwickelt, das sich dieser verdrängten Seite des Hörbaren bedient und unter der Bezeichnung Noise etabliert hat.  Dabei widersetzt sich das exzentrische Potential von Noise seiner Vereinnahmung in die offiziellen Informationskreisläufe. Das Verhältnis von Macht und Widerstand wird im Bereich des Hörbaren konkret problematisiert: Die Macht und ihr Umschlagen in Gewalt äußern sich in einer Lautstärke, die Gehorsam erzwingen will, zugleich sind Lärm und Störung unauflösbare Begleiterscheinungen von Protest, Unordnung und sozialem Aufruhr.  Jenseits dieser Sphären bleibt Noise eine sperrige und radikale Form des künstlerischen Experiments, deren ProtagonistInnen nach neuen Verknüpfungspunkten, akustischen Identitäten und noch nie gehörten Klängen forschen. NOISEXISTANCE möchte diese Positionen zusammenbringen und ihnen in Konzerten, Vorträgen und Workshops ein Forum geben.

02.03.2018 20:00 Uhr HFBK Foyer

Steve Goodman (GB)

ist einer der Pioniere der britischen Dubstep-Szene und Begründer des einflussreichen Hyperdub Labels. Er lehrt der University of East London und veröffentlichte das wegweisende Buch Sonic Warfare, in dem er Formen akustischer Kriegsführung und auditiver Gewaltanwendung nachspürt. Als Mitglied des Künstlerkollektivs Audint beschäftigt er sich mit dem Unhörbaren und der geisterhaften Heimsuchung durch Schall.

Helm (GB)

Der Londoner Musiker Luke Younger baut Collagen aus elektronischen Klängen, bearbeiteten Metallpercussion und Fieldrecordings undefinierbarer Herkunft. Durch Auswahl und Bearbeitung dieser Sounds schafft er Atmosphären aus Industrial, Noise, Drone und Ambient, die sich als Hörstücke bezeichnen lassen. Seine rauen und düsteren Tracks, die er auf Labels wie PAN oder Opal Tapes veröffentlicht, sind ein Beispiel dafür, wie Noisemusik aktuell die Clubkultur belebt.

Ex-Kopf (DE)

Helge Meyer (Elektronik) und Alsen Rau (Drums) sind beide in der Hamburger Noise- und Elektronikszene aktiv. Meyer als Solo-Musiker und Mitglied des Krachkisten Orchesters, Rau als Scheich in China und Teil des Duos Esmark. Als Ex-Kopf verbinden sie den rhythmischen Minimalismus von Krautrock mit brachialem Harsh Noise zu einer hypnotischen Mischung.

03.03.2018 Kampnagel

Louise Vind Nielsen (DK)

Louise Vind Nielsen wird in dem Workshop AAARGH! Noise & Silence/Noise & Movement mit den Teilnehmer*innen die Grenzen und Übergänge zwischen Stimme und Noise, Körper und Material, Resonanz und Stille erforschen.

Nina Power (GB)

Nina Power lehrt Philosophie an der University of Roehampton in London. Neben Subjektphilosophie, Marxismus, Feminismus und Queer Theory liegt ihr Forschungsschwerpunkt auch in der Musikphilosophie. 2009 veröffentlichte sie den Essay Women Machines: The Future of Female Noise.

Peter Brötzmann/ Heather Leigh (DE/GB)

Brötzmann ist eine Legende des Free Jazz und war einer der ersten Protagonisten dieses Genres in der BRD der späten 60er. Seitdem hat er in unzähligen Kollaborationen die Grenzen des Saxophonspiels ausgelotet und ist dabei auch immer wieder in Bereiche des Noise vorgestoßen. Bei Noisexistance spielt er im Duo mit der Slideguitar-Virtuosin Heather Leigh.

Russell Haswell (GB)

Russell Haswell arbeitet multidisziplinär in Galerie- und Konzertkontexten. In seinen Kollaborationen mit bildenden Künstlern wie den Turnerpreis nominierten Jake & Dinos Chapman oder Musikern wie Whitehouse & Merzbow zeigt sich seine Vorliebe für das thematisch und klanglich Abseitige, die immer mit der Erforschung neuer Ausdrucksmöglichkeiten und Klangbilder verbunden ist.

Erotic Nights (DE)

Erotic Nights sind drei Frauen, deren Musik die Abkehr von Pop ist, der seine Innovationskraft verloren hat und nur noch aus der Verwertung der eigenen Geschichte besteht. Mit ihren Werkzeugen schaffen sie eine Klangästhetik weit weg von konkret verortbaren Hörerlebnissen.

Best Friend Machine (DE)

Best Friend Machine kommt aus dem Hamburger Noise-Underground. Er spielt Harsh Noise Wall, ein Genre, dass sich als der logische Endpunkt der Musikgeschichte bezeichnen lässt: Verzerrtes Rauschen über das gesamte Frequenzspektrum, maximale Lautstärke und keine Bewegung. Ein Sound mit der Materialität einer Wand.

Schwall Deejay aka Benjamin Kiehlmann (DE)

Schwall mischt Industrial, Noise, Post-Punk und experimentelle Elektronik zu einer musikalischen Grenzerfahrung. Mit seinem Projekte wie Sleazy Pictures Of Teapee tritt er auch selbst als Musiker in Erscheinung.

 

04.03.2018 Kampnagel

Dirty Electronics & Max Wainwright (GB)
in diesem Workshop können Protestnoten und politische Manifeste zugleich auf Endlospapier ausgedruckt und auf einen Chip codiert werden, den die TeilnehmerInnen in einen selbstgefertigten ‚Protest-Synthesizer‘ einbauen können. Dirty Electronics haben Noise-Synthesizer eigens für das Sonar-Festival 2013 und für Mute-Records entwickelt.

Calhau! (PRT)
Die mit Stimme kombinierte Elektronik des Avantgarde-Duos erschaffen ein absurdes Universum aus Albträumen, Mystik und surrealistischer Spiritualität. Der Horror und die Verwerfungen in ihrer Musik lassen sich wie ein böser Kommentar zu einem krisengeschüttelten, brutalisierten Europa hören. Calhau! sind ihre eigene Insel – die sich an der Stelle erhebt, an der das alte Europa im Meer versinkt. Ob es eine Toteninsel oder ein Zufluchtsort ist, bleibt zu ergründen.

Club Moral (BE)
Seit 1981 arbeiten Anne-Mie Kerckhoven und Danny Devos aus Antwerpen unter diesem Namen an dem eigenwilligen Entwurf einer Schnittstelle von bildender Kunst und performativem Noise. Sie haben mit Schlüsselfiguren der europäischen Industrial und Power Electronics-Szene gespielt. In ihren Konzerten beschwören sie eine ritualistische Atmosphäre herauf, in der historische Ereignisse des jeweiligen Auftrittsdatums verarbeitet werden.

Rene Huthwelker (DE)
ist Mitglied des polymedialen Künstlerkollektivs Niedervolthoudini aus Hamburg. Er hat in diversen Formationen und Genres wie Isogram, Katzenkönig und ModLab, von Ambient über Krautrock bis zu generativer Musik gespielt. In seinen Soloperformances mit Modularsynthesizern erzeugt er aus Rückkopplungen pulsierende Strukturen, in denen alle Einzelelemente miteinander interagieren.

Nina (DE)
ist als DJ bekannt für ihre eklektische Mischung von experimenteller elektronischer Musik und düsteren Club-Sounds. Im Golden Pudel Club veranstaltet sie ihre Reihe »Nina trifft« und ist Mitbetreiberin des renommierten Hamburger Underground-Labels VIS.

Harsh Noise Wall Hamburg, 27.01. &29.01.

event, lecture, live

vomir

27.01., 21.00, Druckerei im Gängeviertel   – Niemand hat die Absicht –

Maginot (Harsh Noise)
https://vimeo.com/82449371

David Wallraf (No Noise)
https://soundcloud.com/david-wallraf

Helge Meyer (Free Noise)
https://vimeo.com/193650136

Best Friend Machine (BFF Noise)
https://soundcloud.com/best-friend-machine

Brenz Hold (DJ-Set)
https://soundcloud.com/brenz-hold-1

Difficult Music (DJ-Set/FSK Hamburg)
www.mixcloud.com/difficultmusic


29.01., 20.30, Golem

Lecture: „The Rapturous Dead End of Noise“
Concert by Vomir

Der irische Performer, Autor und Wissenschaftler Paul Hegarty wird in seinem Vortrag „The Rapturous Dead End of Noise“ das komplexe Verhältnis von Noise, Performance und Kommunikation anhand der konkreten Beispiele von Harsh Noise und Harsh Noise Wall befragen. Hegarty ist Betreiber des Labels „dotdotdotmusic“ und veröffentlichte mit seinem 2007 erschienenen Buch „Noise/Music – A History“ eine der ersten philosophischen Auseinandersetzungen mit diesem Thema. Weitere seiner Publikationen sind „Rumour and Radiation – Sound in Video Art“ und der Reader „Reverberations – The Philosophy, Aesthetics and Politics of Noise“. Der Vortrag beginnt mit einer Einleitung von David Wallraf und schließt mit einem Konzert von Romain Perrot alias Vomir.

http://www.vamh.de/index.php?gig=3162

 

NOISEXISTANCE

event, lecture, live

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Vom 24. bis 26. Juni findet in Bremen der internationale Festival-Kongress NOISEXISTANCETheorie und Praxis des Lärms statt.

Noise ist die Bezeichnung für ein musikalisches Genre, das in den 1980er Jahren in Japan entstand. Sämtliche traditionellen Parameter einer musikalischen Schallorganisation sind suspendiert: Metrum, Rhythmik, Harmonieführung und Melodie werden durch eine Arbeit mit Lärm, Rauschen, Verzerrungen und Störgeräuschen ersetzt. Aktuell lässt sich beobachten, wie Noise in eine unüberschaubare Menge musikalischer Genres integriert wird, als Bezugs­punkt für Sound Art und Neue Musik dient und sich einen Weg in den akademischen Diskurs bahnt. NOISEXISTANCE bringt Positionen aus den Bereichen der Philosophie, Kultur- und Musikwissenschaft sowie künstlerischer und politischer Praxis zusammen, um zentralen Fragen aus dem Spannungsverhältnis von Noise, Aufruhr und Musik nachzugehen.

Mit Vorträgen von Paul Hegarty, Hans-Joachim Lenger, Mattin, Goerges Nicolas Wolff und David Wallraf.

Konzerte und Performances von Michael Barthel, CoCo, Crank Sturgeon, Hure, Helge Meyer, Sisto Rossi, Scheich in China, Anna Schimkat und Sun Worship; einer Aufführung der Komposition La Légende d’Eer von Iannis Xenakis und einem Screening des Films Decoder in Anwesenheit des Regisseurs Klaus Maeck.

Eine Kooperation der Projektgruppe Neue Musik und Reihe Neue Musik Bremen, der Galerie K‘, dem Kunst- und Kulturverein Spedition, der Schwankhalle und der Hochschule für bildende Künste Hamburg.