Blurred Edges I – 2 silent films in a church

live, silent film

Monday, 08.06 20:00
Stummfilmkonzert Doublefeature

Immanuelkirche Veddel Wilhelmsburger Straße 73, 20539 Hamburg

Spende (8.- bis 12.-)

Dementia
 USA 1955, Regie: John Parker, mit Adrienne Barrett, Ed McMahon, 56 Min., ohne Dialog


1953 erzählt Adrienne Barnett, Sekretärin des angehenden Filmproduzenten John Parker, ihrem Chef von einem Traum. Begeistert beschließt der, daraus einen Kurzfilm zu machen. Er besetzt Barnett in der Hauptrolle und kann den Charakterschauspieler Bruno Ve Sota als Bösewicht gewinnen. Die Ergebnisse sind so vielversprechend, dass man beschließt, das Projekt zu einem Langfilm zu machen. In surrealen Szenen folgt der Film den albtraumartigen Erlebnissen einer Frau, die in einem Gewaltausbruch münden. Missbrauch durch den Vater, patriarchaler Hedonismus und sexistische Übergriffe werden angedeutet. Die Auswertung im Kino wurde zunächst vom New York State Film Board untersagt. Zu verstörend erschien den Zensoren die dargestellte Gewalt der Protagonistin, die man als völlig unmotiviert wahrnahm. Ins Kino schaffte er es erst, nachdem ein findiger Produzent ihn mittels Umschnitten als Daughter of Horror geschickt neu zu vermarkten wusste. Ein Einleitungstext erklärte, was hier los war: Die Frau war natürlich verrückt.
Der knapp einstündige Film wurde erst in den 2000ern als frühes Beispiel eines transgressiven Feminismus und als Missing Link zwischen Film Noir und dem Cinema of Transgression wiederentdeckt. (Jan van Hasselt)

Ausgebildet in Klassik und alter Musik beschäftigt sich Kris Kuldkepp aktuell mit experimenteller und elektronischer Musik sowie mit Musik-Theater. Ihre Arbeit fokussiert sich auf die Wahrnehmung und das Verhalten von Klang und Resonanz in physischen Räumen. Kris kombiniert u.a. Streichinstrumente, Synthesizer, Objekte und Live-Elektronik um unterschiedliche Klangwelten zu schaffen. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit arbeitet Kris als technische Leitung des Elektronischen Studios an der Musikhochschule Lübeck.

Un Chant d’Amour 
Frankreich 1950, Regie: Jean Genet, mit Lucien Sénémaud, Bravo, 26 Min., ohne Dialog

Jean Genets einzige Regiearbeit aus dem Jahr 1950 ist ein filmisches Anschreien gegen das Gefängnis, Polizeigewalt, Rassismus und Homophobie. In surrealen Sequenzen bearbeitet Genet die Schnittmengen, die sich zwischen Einsperrung, Macht und Sexualität entwickeln. Zwei durch ihre Zellenwand getrennte Gefangene lieben sich, während sie von einem sadistischen Wärter beobachtet werden… inmitten dieser Hoffnungslosigkeit ist Genet die vermutlich schönste Zigaretten-Szene der Filmgeschichte gelungen. Wegen seiner Darstellung schwulen Begehrens war der Kurzfilm jahrzehntelang international verboten und hat in Deutschland immer noch eine FSK-Freigabe „ab 18“.


„Since the codes of cinema developed around the sexual objectification of the female, Genet’s eroticized look at the male body is itself a challenge to the conventions of mainstream film. Furthermore, the actions of the four prisoners at whom the warder peeks before focusing on the North African and the murderer outline an analysis of objectification, with its twists and turns. The first two prisoners are apparently unaware of being seen, but the latter two actively set up a dialogue of exhibitionism with the watching guard, which they create and control. Similarly, later on, when the young murderer realizes that he is being spied upon, he laughs. These men are not performing for the guard but are engaged in their own pleasure; their awareness of the guard, excluded outside the door, spectator rather than participant, allows them a reversal of the usual dynamic of power in their relationship with him. This conscious performance sets up a critical distance in the narrative that creates a space for an analysis of objectification.“

[Jean Giles]

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